Nach dem Krankenhaus in Wörgl, der Polizeiinspektion in Kundl und den Postämtern im ganzen Tal wollen die Wiener Zentralisten nun auch noch das Bezirksgericht in Rattenberg schließen. Für den Bürgermeister von Kramsach und Gemeindesprecher der FPÖ im Tiroler Landtag, LAbg. Bgm. Andreas Gang, ist dies der nächste Schlag gegen die Menschen im Unterinntal. Mit vier von insgesamt 16 bundesweit zur Diskussion stehenden Standorten wäre Tirol erneut überproportional betroffen. „Zuerst das Spital, dann die Polizei – und jetzt auch noch die Justiz. Das ist kein Sparen mehr, das ist ein systematischer Raubzug gegen den ländlichen Raum. Die kleinen Leute im Tal sollen deutlich längere Wege in Kauf nehmen, während in Wien und Innsbruck alles bequem bleibt. Das nenne ich keine Gerechtigkeit, das nenne ich Arroganz der Macht“, stellt Gang klar. Das Bezirksgericht Rattenberg sei für die Menschen da – für Erbschaften, Unterhaltsfragen, Mietstreitigkeiten und die kleinen Alltagsprobleme, die das Leben der Familien und der älteren Generation betreffen: „Nicht für irgendwelche Großverfahren à la Benko, sondern für die normalen Bürger von der Wiege bis zur Bahre. Und genau diese bürgernahe Justiz wollen sie uns jetzt wegnehmen.“
Gang, der selbst in Rattenberg zur Hauptschule gegangen ist und die Verhältnisse im Unterland „wie seine Westentasche kennt“, erinnert an den erfolgreichen Widerstand von 2012: „Damals haben die Menschen im Tal zusammengehalten und die Wiener Pläne gestoppt. Das müssen wir heute wieder schaffen. Jetzt braucht es den ganzen Druck aus der Region.“ Der Gerichtssprengel Rattenberg umfasst zwölf Gemeinden – eine Schließung träfe somit weit mehr als nur die Stadt selbst. Auch die angeblichen Einsparungen überzeugen Gang nicht: „Bei den Mietkosten sparen und die Arbeit lediglich an andere Standorte verlagern? Das klingt in Wien vielleicht gut. In der Praxis heißt das nur: Die Kosten werden auf die Bürger abgewälzt – durch lange Anfahrten, verlorene Arbeitszeit und überlastete Gerichte woanders. Am Ende haben wir weniger Service und mehr Frust. Das ist keine Reform, das ist eine Zumutung.“
Abschließend fordert Gang alle Verantwortlichen auf, geschlossen dagegenzuhalten: „Wenn die ÖVP nun mit scheinheiligen Resolutionen und Petitionen gegen die Schließungspläne auftritt, muss sie sich daran erinnern lassen, dass sie selbst Teil der Bundesregierung ist und politische Mitverantwortung trägt. Lippenbekenntnisse in Tirol reichen nicht – die ÖVP muss in Wien dafür sorgen, dass diese Pläne endgültig vom Tisch kommen. Die FPÖ steht jedenfalls an der Seite der Bürger von Rattenberg und des gesamten Unterlands. Wir lassen uns unsere Heimat und unsere Strukturen nicht von Wien kaputt machen. Recht muss man bekommen können – und zwar dort, wo die Menschen leben und arbeiten, nicht erst nach einer langen Reise zum nächsten größeren Gericht. Das Bezirksgericht Rattenberg bleibt. Wien will uns das Gericht wegnehmen – das dulden wir nicht.“