24. September 2026 | Landtag, Bezirke, Kitzbühel, Kufstein

Haslwanter: „Das Gerät steht. Die Patienten warten. Das Land bremst.“

FPÖ-Dringlichkeitsantrag zu Angiografie-Gerät am BKH St. Johann in den Großgeräteplan aufnehmen. Abgestufte Herzversorgung für das Unterland statt Alles-nach-Innsbruck

Der freiheitliche Gesundheitssprecher im Tiroler Landtag, KR LAbg. Patrick Haslwanter, bringt einen Dringlichkeitsantrag zur Genehmigung eines Herzkatheterlabors am BKH St. Johann ein. Die Landesregierung soll das dort bereits vorhandene Angiografie-Gerät ehestmöglich in den für Tirol maßgeblichen Großgeräteplan beziehungsweise in die Planungsgrundlagen des Regionalen Strukturplans Gesundheit aufnehmen und gemeinsam mit den Krankenanstalten ein abgestuftes kardiologisches Versorgungskonzept erarbeiten.

„Im Unterland steht moderne Medizintechnik bereit. Sie darf für Beingefäße genutzt werden, für das Herz aber nicht. Das ist keine Versorgungsplanung, das ist ein bürokratisches Ausbremsen“, so Haslwanter. „Wer von wohnortnaher Versorgung spricht, muss dort genehmigen, wo Gerät, Personal und Bedarf bereits da sind – und nicht erst, wenn Wartezeiten und Anfahrten zum Problem geworden sind.“

Das BKH St. Johann verfügt über eine multifunktionale Angiografie-Anlage. Damit lassen sich Blutgefäße röntgenologisch darstellen und behandeln, etwa an Beinen und Organen. Technisch ist das Gerät auch für Herzkatheter-Untersuchungen und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen geeignet. Seit der Inbetriebnahme im Herbst 2024 wird es unter anderem in der Gefäßchirurgie, der interventionellen Radiologie und bei der Implantation von Herzschrittmachern genutzt. Damit Herzkatheter-Leistungen erbracht und mit den Kostenträgern abgerechnet werden können, braucht es die Aufnahme in den Großgeräteplan sowie die Genehmigung eines kardiologischen Schwerpunkts (KARS). Diese Schritte hat das Land nach Darstellung der FPÖ bislang nicht gesetzt. Derzeit bestehen in Tirol vier bewilligte Herzkatheterlabore: drei an der Universitätsklinik Innsbruck, eines am BKH Lienz.

„Für Patientinnen und Patienten aus Kitzbühel und Kufstein heißt das oft: lange Wege nach Innsbruck, zusätzliche Belastung, Abhängigkeit vom Zentralraum. Lienz hat wegen der Lage ein Labor. Das Unterland hat das Gerät und wartet auf das grüne Licht. Freie theoretische Kapazität in Innsbruck ist nicht dasselbe wie wohnortnahe Versorgung“, betont Haslwanter. „Wer nur Geräte in der Landeshauptstadt zählt, ignoriert Wartezeiten, Anfahrtswege, dringliche Fälle und die demografische Entwicklung. Planung muss vorausschauen, nicht hinterherhinken.“

Der Österreichische Strukturplan Gesundheit sieht eine abgestufte Versorgung vor: Zentren für endovaskuläre Kardiologie (KARZ) und Schwerpunktkrankenhäuser (KARS). In den meisten anderen Bundesländern ist die Herzkatheter-Versorgung regionaler organisiert. Planbare Routineuntersuchungen und standardisierte Eingriffe erfolgen dezentral, hochkomplexe Behandlungen bleiben an spezialisierten Zentren.

„Genau das fordern wir für Tirol: Routine und Standard in St. Johann, Hochkomplexes weiter in Innsbruck. Das entlastet die Klinik, verkürzt Wege und stärkt die Qualität, weil jedes Haus das tut, wofür es aufgestellt ist. Das ist keine Parallelstruktur, das ist Arbeitsteilung.“

Das BKH St. Johann gilt als wirtschaftlich stärkstes Krankenhaus Tirols. „Wer regionale Spitäler auf Basisversorgung festnagelt, verliert Kompetenz, Personal und Zukunft“, warnt Haslwanter. „Ein Herzkatheterlabor macht den Standort attraktiver für Ärztinnen und Ärzte, Pflege und medizinisch-technisches Personal. Angesichts des Fachkräftemangels ist das Standortpolitik, nicht Luxusmedizin.“

Der Antrag verlange außerdem, die Nutzung des Geräts als Maßnahme zur langfristigen medizinischen, personellen und wirtschaftlichen Standortsicherung des BKH St. Johann zu berücksichtigen. „Das Land hat lange auf den Strukturplan 2030 verwiesen. Der Plan liegt vor. Das Gerät steht. Jetzt braucht es die Genehmigung, nicht die nächste Prüfungsschleife“, so Haslwanter. „Die Investition der Region muss der Bevölkerung nützen. Alles andere ist Verschwendung von Zeit, Geld und Vertrauen.“

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