„Südtirols österreichische Geschichte beginnt nicht 1938. Wer das Hissen der österreichischen Fahne und einen feierlichen Zapfenstreich mit der nationalsozialistischen Anschlussidee verknüpft, verdreht grundlegende historische Zusammenhänge. Urzìs Aussagen sind eine Entgleisung und ein Affront gegenüber all jenen Südtirolern, die sich ihrer Heimat, ihrer Geschichte und ihrem Vaterland Österreich verbunden fühlen“, erklärt die Südtirol-Sprecherin des freiheitlichen Landtagsklubs Tirol, LAbg. Gudrun Kofler, BA.
Rund 1.000 Schützen hatten am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertags am Großen Österreichischen Zapfenstreich auf dem Bozner Waltherplatz teilgenommen. „Diese würdige Feier war Ausdruck einer über Jahrhunderte gewachsenen Verbundenheit. Sie mit einem NS-Vergleich zu diskreditieren, zeugt von erschreckender Geschichtsvergessenheit“, betont Kofler.
Die freiheitliche Abgeordnete erinnert daran, dass Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg gegen den Willen seiner Bevölkerung von Österreich abgetrennt wurde: „Damals wurde die Grenze verschoben, aber die Herkunft der Menschen kann man nicht auslöschen. Die Verbundenheit mit Österreich ist keine nachträglich erfundene politische Provokation, sondern Teil unserer Geschichte und unseres Selbstverständnisses. Urzì sollte diese historischen Tatsachen zur Kenntnis nehmen, bevor er anderen nationalistische Geschichtsverklärung vorwirft. Das macht er nämlich selbst, wenn er so tut, als wäre Südtirol schon immer italienisches Territorium gewesen.“
Gerade der Verweis auf den Nationalsozialismus offenbare die Absurdität seiner Argumentation: „Das nationalsozialistische Regime hat die Brennergrenze anerkannt und mit dem faschistischen Italien 1939 die Option vereinbart, die die Südtiroler vor die verhängnisvolle Entscheidung zwischen Auswanderung und Verbleib stellte. Das friedliche Bekenntnis der Südtiroler zu Österreich heute ausgerechnet mit diesem Regime in Verbindung zu bringen, stellt die Geschichte auf den Kopf.“
Auch die berichteten behördlichen Einwände gegen das Hissen der österreichischen Fahne und die traditionellen Ehrensalven seien aufklärungsbedürftig. „Wenn eine österreichische Fahne auf dem Bozner Waltherplatz zum Behördenproblem wird, braucht es klare Antworten. Ich unterstütze daher die angekündigte parlamentarische Anfrage unseres Südtirol-Sprechers im Nationalrat, Christofer Ranzmaier. Österreich muss seine Schutzfunktion mit Nachdruck wahrnehmen“, fordert Kofler.
Für die gebürtige Südtirolerin steht fest: „Wer Respekt vor internationalen Vereinbarungen einfordert, sollte auch anerkennen, dass Österreich Vertragspartner des Pariser Vertrags ist und es seine Aufgabe ist, die Schutzfunktion für Südtirol wahrzunehmen. Die Südtirol-Frage lässt sich ebenso wenig auf eine rein inneritalienische Angelegenheit reduzieren, wie sich unsere österreichische Identität mit NS-Vergleichen delegitimieren lässt.“
Abschließend dankt Kofler dem Südtiroler Schützenbund und allen Mitwirkenden: „Die Schützen bewahren Tradition, vermitteln Geschichte und halten die Verbindung zwischen den Tiroler Landesteilen lebendig. Dafür verdienen sie Dank und Anerkennung. Urzìs Geschichtsvergessenheit ist kein Maßstab für unsere Identität. Unsere gemeinsame Heimat und Geschichte lassen wir uns weder schlechtreden noch in eine extremistische Ecke drängen.“