Die Anfragebeantwortung von Landesrat Mario Gerber zur blamablen, South Tyrol = Italy'-Causa macht endgültig sichtbar, was bei der Tirol Werbung längst aus dem Ruder gelaufen ist: Dort weiß ganz offensichtlich die eine Hand nicht, was die andere tut. Auf Kosten der Steuerzahler wird ein Apparat finanziert, der weder geschichtliches Bewusstsein noch funktionierende Kontrolle noch klare Verantwortung kennt", erklärt die Südtirolsprecherin der FPÖ Tirol, LAbg. Gudrun Kofler.
Dass zwei Personen eineinhalb Stunden an einem Posting arbeiten, dafür 87,75 Euro an Steuergeld verbrauchen und am Ende nichts Besseres herauskommt als die geschichtsvergessene Gleichsetzung Südtirols mit Italien, ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Dabei geht es nicht um ein paar Euro mehr oder weniger, sondern um ein erschreckendes Systemversagen. Hier wird öffentliches Geld für Inhalte ausgegeben, die historisch unhaltbar, politisch unsensibel und für Tirol schlicht beschämend sind", so Kofler.
Besonders brisant sei, dass laut Anfragebeantwortung offenbar niemand rechtzeitig eingeschritten sei. „Genau darin liegt der eigentliche Skandal. Da wird produziert, freigegeben und veröffentlicht, ohne dass sich irgendjemand offenbar ernsthaft fragt, was man da überhaupt hinausschickt. Das ist kein kleiner Ausrutscher und kein unglücklicher Einzelfall, sondern Ausdruck eines bedenklichen Wildwuchses innerhalb der Tirol Werbung. Wenn historische Tatsachen und politische Sensibilitäten derart ignoriert werden, dann läuft dort strukturell etwas gewaltig schief."
Für Kofler ist auch der Umgang von Landesrat Gerber mit dem Vorfall völlig ungenügend. Wer jetzt so tut, als ließe sich das Problem mit ein paar zusätzlichen Augen in der Freigabekette beheben, betreibt bloße Schadensbegrenzung. Wenn ein angebliches Vier-Augen-Prinzip so krachend versagt und man danach hastig neue Kontrollstufen erfindet, dann beweist das nur, dass man die eigenen Abläufe nie im Griff hatte." Dass Gerber vor der Veröffentlichung nicht einmal informiert gewesen sei, mache das Führungsversagen komplett.
Hier wurde mit Steuergeld nicht irgendein belangloser Werbesatz formuliert, sondern ein Inhalt verbreitet, der historische Begebenheiten völlig ausblendet und Südtirol auf eine x-beliebige geografische Zuschreibung reduziert. Wer Südtirol einfach als Italien verkauft, ignoriert wissentlich oder fahrlässig die gewachsene Identität, die Geschichte und die besondere Bedeutung dieses Landesteils für Tirol. Gerade von einer Tirol Werbung müsste man erwarten dürfen, dass sie hier Fingerspitzengefühl, Geschichtsbewusstsein und Verantwortung zeigt. Tatsächlich zeigt sie das glatte Gegenteil", stellt Kofler klar.
Die FPÖ Tirol fordert deshalb weiterhin die Übernahme politischer Verantwortung durch Landesrat Gerber sowie eine vollständige Neuaufstellung der Tirol Werbung. Es kann nicht sein, dass ein mit Steuergeld finanzierter Werbeapparat zunehmend den Eindruck erweckt, als arbeite er ohne klare Linie, ohne funktionierende Aufsicht und ohne jedes Bewusstsein für historische Zusammenhänge. Wer öffentliche Mittel erhält, hat sorgfältig, verantwortungsvoll und im Interesse des Landes zu handeln. Davon kann hier keine Rede sein."
Abschließend betont Kofler: „Die ÖVP zeigt wieder einmal, dass Südtirol für sie offenbar vor allem ein Schlagwort für Marketingbroschüren ist, nicht aber eine Frage von Identität, Geschichte und politischer Haltung. Für uns ist klar: Südtirol ist keine beliebige Werbefläche und keine austauschbare Vokabel für abstruse Kampagnen. Dieser kultur- und geschichtslose Wildwuchs muss endlich beendet werden.